Vom Sommerloch zur Pause in Kraft: Wie Du Stillstand für echte Klarheit nutzt
Sommerloch: Ein Wort mit zwei Bedeutungen. Für die meisten Menschen ist das Sommerloch ein Synonym für Stillstand, für „nichts los“. Kolleg:innen sind im Urlaub, Projekte pausieren, die Inbox wird leerer. Das kann positiv sein, aber auch unangenehm. Denn da die Umtriebigkeit im Außen fehlt, haben wir Zeit nach Innen zu schauen.
Diese Leerlaufphasen gehören zum Leben. Wenn es soweit ist, hast du zwei Varianten: 1. In Panik verfallen oder 2. den Spieß umdrehen und die Zeit für eine aktive Standortanalyse für dich, dein Business oder deine Perspektiven zu nutzen. So wird aus vermeintlichen Leerzeiten vielleicht sogar eine der produktivste Phase des Jahres.
Warum wir Leere als Bedrohung empfinden
Unsere Identität ist oft eng mit Aktivität verknüpft: Wer viel zu tun hat, fühlt sich wichtig, gebraucht und auf Kurs. Fällt die Aktivität weg, bleibt die Frage: Wer bin ich, wenn ich nicht gerade etwas leiste? Diese Frage ist unbequem. Und zu beginn macht sie vielleicht auch kein Spaß, jedoch ist sie auch der Ausgangspunkt für echte und kraftvolle Veränderung.
Nutze die Ruhe für Perspektivwechsel
Statt das Sommerloch als Leerlauf zu erleben, kannst Du es als das lesen, was es wirklich sein kann: eine Pause indenen du deine Ressourcen prüft und deine Kraft wieder aktivierst. Eine Zeit, in der weniger Ablenkung bedeutet, dass die eigentlich wichtigen Signale endlich durchdringen. Das ist kein esoterisches Konzept, sondern ein praktischer Perspektivwechsel: Stillstand ist nicht das Gegenteil von Fortschritt, sondern ein wichtiger Teil des Prozesses um mit Fokus in die richtige Richtung weiter zu gehen.
Was passiert, wenn Du aufhörst zu funktionieren
Was ich dabei über meine Klient:innen gelernt habe: Wenn es im Alltag ruhiger wird, ist das nicht automatisch ein schönes Gefühl. Besonders dann nicht, wenn Körper und Kopf Anspannung und Stress gewohnt sind. Plötzliche Stille kann sich fast bedrohlich anfühlen. Bist du in so einer Situation, dann ist das wie, wenn ein Motor, abrupt stehen bleibt, obwohl er auf Hochtouren laufen sollte. Ruhe ist dann keine automatische Erholung, sondern etwas, das erst wieder gelernt werden muss, bevor sie zur echten Kraftquelle werden kann. Es zeigt, wie sehr wir uns an Dauerbetrieb gewöhnt haben.
Wenn Du für ein paar Tage oder Wochen aus dem Funktionsmodus aussteigst, passiert etwas Interessantes: Die Gedanken, die sonst im Hintergrund liefen, treten in den Vordergrund. Unzufriedenheiten, die Du wegdrücken konntest, werden lauter. Wünsche, die Du zurückgestellt hast, melden sich zurück. Das ist der Moment in dem echte Klarheit entstehen kann. Du musst es nur schaffen, dem stand zu halten, um die bewusste Reflexion zu gelangen, statt sofort wieder in Aktivität zu flüchten.
Drei Fragen, die Dir das Sommerloch beantwortet, wenn Du sie stellst
Wenn du nicht weißt, was du mit der „neuen“ Ruhe anfangen sollst, dann beantworte dir einfach mal die folgenden Fragen. Gib Dir die Erlaubnis, erstmal nur bei der Stille anzukommen, bevor Du nach Antworten suchst.
- Wann habe ich mich zuletzt wirklich lebendig gefühlt und was war da anders?
- Welche Erwartung erfülle ich gerade, die eigentlich nicht meine eigene ist?
- Was würde ich tun, wenn niemand zusehen und niemand urteilen würde?
Diese Fragen sind einfach formuliert, aber ihre Antworten sind sehr komplex und höchst individuell. Sie brauchen Zeit, Ehrlichkeit und oft auch jemanden, der nachfragt, wenn die erste, bequeme Antwort nicht die ehrlichste ist.
Vom Innehalten zur Richtung – der nächste Schritt
Ein Perspektivwechsel allein verändert noch nichts. Er öffnet nur eine Tür. Was danach kommt, ist entscheidend: aus der Erkenntnis eine Richtung zu formen, statt sie wieder im Alltag zu vergraben, wenn das Sommerloch vorbei ist und der Kalender sich wieder füllt.
Häufige Fragen
Wie nutze ich das Sommerloch für berufliche Klarheit?
Indem Du bewusst reflektierende Fragen stellst statt die freie Zeit sofort wieder mit Aktivität zu füllen. Schreibe dir deine Erkenntnisse auf und bringe sie anschließend in eine konkrete Richtung und gezielte nächste Schritte.
Reicht Selbstreflexion allein oder brauche ich Unterstützung?
Selbstreflexion ist ein wichtiger erster Schritt. Solltest du merken, dass du dir oft ausweichst und dich gerne selbst sabotierst, hilft es dir extrem ins Sparring zu gehen. Ein Gegenüber unterstützt dich, um nachhaltig dauerhafte Veränderung zu erschaffen. Das gibt dir mehr Struktur. Ein weitere Pluspunkt: ein ehrliches Gegenüber unterstützt dich dabei blinde Flecken aufzeigen.
